Wir bekommen fast alles zu jeder Zeit angeboten. Erdbeeren sogar im Winter, denn irgendwo auf dieser Welt ist gerade Sommerzeit. Den ökologischen Wahnsinn der mit der ständigen Verfügbarkeit von Lebensmitteln in Zusammenhang steht, hinterfragt niemand mehr. Es ist uns allen bewußt!

Wenn wir genau hinschauen, bemerken wir recht viel von diesem aberwitzigen Wahnsinn.

Das wir zu fast jeder Jahreszeit alles haben können, macht uns das eigentlich zufriedener? Glücklicher? Gesünder?

Immerhin erhöht es unsere Aufmerksamkeit und damit unsere Wahrnehmung. Wir bemerken, dass unser Konsumverhalten nicht unbedingt vernünftig ist. Vielleicht macht es auch Spaß, indem wir uns an unseren eigenen hohen Anspruch erinnern, verrückte Dinge oder Lebensmittel aus Südafrika oder Neuseeland zu kaufen?

So gesehen ernähren wir uns modern und unterstützen die Farmen rund um den Globus.

Alles kann uns zufrieden machen. Mit der richtigen Denkweise und dem richtigen Blickwinkel lässt sich fast alles entschuldigen.

Lieber Leser, liebe Leserin, an dieser Stelle möchte ich von meinem winterlichen „Ernährungs-Selbstversuch“ berichten. Seit über dreißig Jahren studiere ich die Hildegard Schriften und von Zeit zu Zeit, immer wenn mich die Lust und die Freude packt, starte ich Selbstversuche, um herauszufinden, wie sich die Ernährung nach Hildegard von Bingen auswirkt.

Mal teste ich Lebensmittel, die Hildegard sehr positiv bewertet hat, mal teste ich Lebensmittel, die Hildegard von Bingen nicht gut bewertet hat, bzw. mit „besser vermeiden“ beurteilte.

Ich habe dieses Mal solch ein Lebensmittel getestet: Rosenkohl. Im Winter zählt Rosenkohl zu unseren heimischen Lebensmitteln. Direkt vom Biobauer und überaus günstig im Preis!

Symbolfoto Rosenkohl by Pixabay

Über mehrere Wochen habe ich Rosenkohl gegessen. Mal als Beilage, mal als Suppeneinlage mit Pastinaken oder Möhren, jedoch meistens Rosenkohl für sich allein, überbacken mit etwas Ziegenkäse. Drei bis vier mal die Woche habe ich Rosenkohl als Hauptmahlzeit gegessen. Meistens habe ich bei der Zubereitung bewusst auf Sahne verzichtet, da ich keine Sahne ohne Carragen bekommen konnte. Saure Sahne ist eine gute Alternative, da sie keine Zusatzstoffe enthält.

Zu Beginn meines Experimentes bemerkte ich nicht viel, keine Besonderheiten in meinem Empfinden. Wobei ich gestehen muss, dass ich wohl eine robuste Verdauung habe. Empfindliche Personen können durchaus schneller mit Verdauungsbeschwerden reagieren, als ich es tat.

Nach sechs bis acht Wochen „Rosenkohl-Experimentierzeit“ empfand ich allerdings eine natürliche Abneigung gegen Rosenkohl.

Eine ganz besondere Eigenart hatte jedoch mein Experiment: Der Verzicht auf Brot, Nudeln oder Kartoffeln während einer Mahlzeit war ganz leicht umzusetzen.

Rosenkohl sättigt hervorragend!

Dinkel ist, wie wir bereits wissen, das gesündeste Getreide. Alle anderen Getreidesorten beurteilt Hildegard nicht besonders positiv. Und bei meinen Rosenkohlmahlzeiten brauchte ich kein Brot, was ich als äusserst positiv empfunden habe! Dinkel ist zwar das gesündeste Getreide, aber es tat mir gut, einfach mal nur Gemüse zu essen. Zwar beurteilt Hildegard Kohl nicht besonders gut, aber ich habe mein Experiment unbeschadet überstanden.

Der Nebeneffekt meiner vorwiegenden Gemüsemahlzeiten mit Rosenkohl war ein verringertes Gewicht, strafferes Gewebe, mehr Muskeln, weniger Bauchumfang. Ich fühlte mich immer gut durchwärmt und kräftig.

Oft tobt in uns der unüberwindbare Zwiespalt und die damit verbundene Unsicherheit, was gesund und was ungesund ist.

Mit meinen Selbstversuchen, die auch manchmal extrem werden können, versuche ich herauszufinden, warum Hildegard manche Lebensmittel so beurteilt hat, wie sie sie beurteilt hat.

Ich trage in mir die Überzeugung, dass jeder Mensch am besten selbst beurteilen kann, was ihm individuell gut tut – und was nicht gut tut und somit der eigenen Gesundheit schadet. Desweiteren bin ich davon überzeugt, dass man eine Verbindung, eine Empfindung, für jedes Lebensmittel aufbauen kann. Der Zwiespalt, was gesund und was ungesund ist, lässt sich damit auflösen.

Jeder Mensch ist anders, individuell. Hildegard von Bingen beschreibt sogar die verschiedenen Temperamente und Persönlichkeiten der Menschen! Sogar das Geschlecht, ob männlich oder weiblich führt bei ihr zu unterschiedlichen Ernährungsratschlägen.

Man kontrolliert sein eigenes Essverhalten ungern, solange man sich einredet, man würde sich gesund ernähren. Gesteht man sich selbst aber gelegentliche Sünden zu, kontrolliert man sich die überwiegende Zeit gern. Dann hat man kein schlechtes Gewissen, es geht einem gut und die kleinen Sünden sind erlaubt!

Verbietet man sich selbst zu viel, kommt man wieder hinein in den Zwiespalt. Man regt sich irgendwann über sich selbst auf. Der eigene hohe Anspruch an sich selbst ist in solchen Situationen zu hoch. Versucht man, sich nicht aufzuregen, staut sich der Ärger an, womöglich unbewußt. Irgendwann hat sich so viel angestaut, dass man nicht mehr anders kann und sich total aufregt – oder zum „Frust-Esser“ mutiert. Womöglich gibt man dann anderen die Schuld, oder irgendwelchen Lebensumständen, oder man sucht im „Außen“, obwohl man die Antwort längst weiß und bei sich im „Inneren“ findet. Es erfordert Mut, bewusst hinzuschauen, bewusst seinen Tag zu gestalten und bewusst seine Lebensmittel auszuwählen und zu bestimmen.

Gesunde Ernährung ist in unserer heutigen Zeit jedoch eine echte Herausforderung! Fast jeder Mensch möchte sich jedoch, im Grunde seines Herzens, gesund ernähren! Dies entspringt dem eigenen hohen Anspruch, das Beste für sich zu wählen. Das eigene Leben ist eben doch das Allerheiligste, was man besitzt!

Die Ernährung ist eine gute Möglichkeit, sich selbst viel Gutes zu tun. Wenn die Ernährung vorwiegend aus Gemüsegerichten besteht und alles andere als kleine Beilage gereicht wird, kann jeder für sich eine bessere Lebensqualität erzielen.

Unsere Gesundheit, unsere Viriditas, ist in der Lage, kleine Sünden zu verzeihen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.